Industrie 4.0, Teil 1: Das Zukunftsprojekt der Bundesregierung auf der Hannover Messe 2015

Industrie 4.0, Teil 1: Das Zukunftsprojekt der Bundesregierung auf der Hannover Messe 2015

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Die Welt der ITK ist gewohnt an Schlagworte oder „Buzzwords“, wie es modischer heißt. Sie dienen dazu, für eine eher trockene Materie rund um komplexe Technologien Aufmerksamkeit zu gewinnen, welche unsere Art zu leben, zu kommunizieren, zu arbeiten, zu lernen, miteinander Geschäfte zu machen und vieles mehr neu definieren. Für gewöhnlich sind diese Buzzwords englische Begriffe und werden im englischsprachigen Ausland geprägt: Big Data, Cloud Computing, Web 2.0 etc.

Industrie 4.0, ein brandaktuelles Buzzword und mit „Integrated Industry – Join the Network“ indirekt das Leitmotto der diesjährigen Hannover Messe[1], ist urdeutsch: hier in Deutschland geprägt und auch im Prinzip nur im deutschsprachigen Raum genutzt. Im Englischen kommt es dem Begriff „Internet of Things“ recht nahe, mit dem es jedoch nicht deckungsgleich ist. Geprägt wurde Industrie 4.0 im Jahre 2011, ebenfalls auf der Hannover Messe. Und unsere Region, OWL, ist auch ganz nah dran, denn eins der wichtigsten Forschungszentren zum Thema ist in Bielefeld beheimatet: It’s OWL, das Spitzencluster des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) „Intelligente technische Systeme Ostwestfalen-Lippe“.[2] Dieses wollen wir an dieser Stelle demnächst genauer beleuchten.

 

Doch zunächst: Wofür steht Industrie 4.0?

Die industrielle Revolution, ausgelöst durch die Mechanisierung von Produktionsabläufen mit Wasser- und Dampfkraft, steht am Anfang, sozusagen als Industrie 1.0. Die Nutzung elektrischer Energie und die Möglichkeit der Massenfertigung mittels Fließbändern stellt die nächste Revolution der Industrialisierung dar, Industrie 2.0. Industrie 3.0 stünde demnach für Automatisierungsprozesse der industriellen Fertigung unter Einsatz von IT und moderner Elektronik. „International steht Industrie 4.0 heute für die Digitalisierung der Industrie,“ heißt es auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)[3] zum Zukunftsprojekt Industrie 4.0. Auf Betreiben des BMBF arbeitete die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Acatech[4] eine Forschungsagenda und Umsetzungsempfehlungen aus und stellte sie 2013 – wiederum auf der Hannover-Messe – vor.

 

Zukunftsprojekt Industrie 4.0: Die Forschungsagenda der Bundesregierung

Auf der Website „Die neue Hightech Strategie – Innovationen für Deutschland“[5] zeichnet die Bundesregierung eine große Vision vor dem Hintergrund von Industrie 4.0: „Die Kennzeichen der künftigen Form der Industrieproduktion,“ heißt es da, „sind die starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten (Großserien-)Produktion, die weitgehende Integration von Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartnerinnen und -partnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse und die Verkopplung von Produktion und hochwertigen Dienstleistungen, die in sogenannten hybriden Produkten mündet.“ Und: „Die deutsche Industrie hat jetzt die Chance, die vierte industrielle Revolution aktiv mitzugestalten.“[6]

Internet of Things (c) Fotolia
Internet of Things (c) Fotolia

Zu diesem Zweck hat das BMBF laut seiner Website für diese Forschungsarbeiten bisher Fördermittel in Höhe von über 120 Millionen Euro bewilligt. Das Bundeswirtschaftsministerium ist ebenfalls mit Fördermitteln bis zu 80 Millionen Euro beteiligt. Vier „zentrale Problemfelder“ stehen für das BMBF im Zentrum seiner Aktionsstrategie: Der Mittelstand, Standards und IT-Architekturen, IT-Sicherheit und Qualifizierung.[7]

Gleich beim ersten Feld, dem Mittelstand, räumt das BMBF ein, dass es bislang an Umsetzungsleitlinien, Standards und geeigneten Produkten zu Investitionsentscheidungen für den Mittelstand mangelt und sich noch nicht absehen lässt, welche Techniken sich für Industrie 4.0 als zukunftsfähig erweisen werden. Die dennoch aufgelegten Fördermaßnahmen zielen auf die Entwicklung von Werkzeugen, welche Aussagen zur Zukunftsfähigkeit von Technologien für Industrie 4.0 ermöglichen, von spezifischen Lösungsansätzen sowie von Einführungsstrategien und Umsetzungsempfehlungen.[8]

An den Standards und IT-Architekturen arbeiten die Verbände ZVEI, VDMA und BITKOM[9] über ihre gemeinsame Plattform „Referenzarchitektur Industrie 4.0″[10] zusammen. Darüber hinaus weist das BMBF der Softwareentwicklung eine zentrale Stellung zu: „Softwaresysteme für Industrie 4.0 müssen ökonomisch tragfähig produziert werden, leistungsfähig und zuverlässig sein und trotz wachsender Komplexität beherrschbar bleiben,“ heißt es auf der Website des Ministeriums. Dort wird auch angekündigt: „Die dafür nötigen methodischen Lösungen wurden vom BMBF gefördert und stehen in nächster Zeit für den Einsatz in der Praxis bereit.“[11]

IT-Sicherheit ist schon seit langem ein eigenständiges Schlagwort und in einem Themenfeld der Vernetzung von IT, Kommunikation und maschineller Produktion selbstverständlich überaus wichtig.

Mit „Qualifikation“ sind die Veränderungen für die arbeitenden Menschen gemeint: „Die mit Industrie 4.0 einher gehende Integration von IT in den Produktionsprozess bedeutet massive Änderungen – insbesondere bei Arbeitsprozessen und Arbeitsinhalten sowie die Erweiterung von Qualifikationsprofilen der Facharbeiter in den Betrieben, der praxiserfahrenen Ingenieure und vor allem in der Ausbildung,“ schreibt das BMBF. Doch von einer Systematisierung der Qualifikationsinhalte sei man noch weit entfernt.[12]

Wir wollen uns dem Thema Industrie 4.0 in weiteren Beiträgen zum Thema annehmen und hoffen, dass Sie wieder bei uns vorbei schauen, denn uns interessiert Ihre Meinung zu Industrie 4.0: „Schöne neue Welt“ oder Utopie, Zukunftsmusik oder schon Wirklichkeit, Hype oder zukunftsweisend?

Wir freuen uns auf einen regen Meinungsaustausch!

 

Weiterführende Links:

[1] “After Show Report – HANNOVER MESSE.” [Online]. Available: http://www.hannovermesse.de/de/news/news/aktuelle-meldungen/after-show-report.xhtml [Accessed: 11-May-2015].

[2] “Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe « it´s owl.” [Online]. Available: http://www.its-owl.de/home/. [Accessed: 11-May-2015].

[3] “Zukunftsprojekt Industrie 4.0 – Forschung – BMBF.” [Online]. Available: http://www.bmbf.de/de/9072.php. [Accessed: 11-May-2015].

[4] “acatech – Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften,” acatech – Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. [Online]. Available: http://www.acatech.de/. [Accessed: 11-May-2015].

[5] “Industrie 4.0 – Hightech-Strategie der Bundesregierung.” [Online]. Available: http://www.hightech-strategie.de/de/Industrie-4-0-59.php. [Accessed: 11-May-2015].

[6] ebd.

[7] “Zukunftsprojekt Industrie 4.0 – Forschung – BMBF.”, a.a.O.

[8] ebd.

[9] “ZVEI – Startseite.” [Online]. Available: http://www.zvei.org/Seiten/Startseite.aspx. [Accessed: 11-May-2015]; “Der VDMA – VDMA.” [Online]. Available: http://www.vdma.org/. [Accessed: 11-May-2015]; “BITKOM – der Digitalverband.” [Online]. Available: https://www.bitkom.org/. [Accessed: 11-May-2015].

[10] “Normen & Standards | Plattform Industrie 4.0.” [Online]. Available: http://www.plattform-i40.de/themen/normen-standards. [Accessed: 11-May-2015].

[11] „Zukunftsprojekt Industrie 4.0 – Forschung – BMBF.”, a.a.O.

[12] ebd.

Margarete Keulen
Verfolgen Margarete Keulen:

Bereits seit 2000 ist die ausgebildete PR-Referentin und freiberufliche PR-Beraterin Margarete Keulen in der ITK-Branche tätig und berät verschiedene Unternehmen in der IT, Telekommunikation und Industrie – von kleinen Unternehmen und Hidden Champions bis hin zu Global Playern. Im August 2005 kam sie als Marketing Communications Manager zur Bielefelder SEH Computertechnik GmbH, einem Spezialisten für Netzwerkdruck und USB-to-Network-Lösungen. Sie hat zahlreiche Fachartikel in IT-Medien veröffentlicht und liebt die Herausforderung, komplexe technische Sachverhalte und Themen verständlich und übersichtlich zu kommunizieren.

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